Text: G. Russwurm-Biro/Red
Der Erlenhof in Mauthen verwandelte sich im Rahmen des „Via Iulia Augusta“ Kultursommers gefühlsmäßig in eine Auswanderergemeinschaft. Die beiden Ausnahmemusiker Wolfgang Puschnig (Sax) und Jon Sass (Tuba) haben das Publikum dabei in ihren Bann gezogen.
„Woher? Wohin?“ lautet das diesjährige Motto des Musikfestivals, welches das Gailtal mit dem Drautal verbindet. Auf Einladung von Intendantin Helga Pöcheim kamen in Mauthen erstmals Wissenschaft, Literatur und Musik an einem Ort zusammen, um den Spuren von Migranten nachzuspüren – nicht den einwandernden, sondern den ausgewanderten. In einer Kooperation mit dem Kärntner SchriftstellerInnenverband, dem Verein Erinnern Villach und dem Kulturverein Welt & Co Wien verband sich an diesem Abend Musik und Sprachkunst mit den berührenden Berichten über jene Gailtaler, die in mehreren Auswanderungswellen ihre Heimat verlassen mussten oder das Abenteuer suchten am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.
Die Einblicke in die Vergangenheit ermöglichte der Zeithistoriker Werner Koroschitz, der u. a. für seine Studien zur Auswanderbewegung aus dem Gailtal geschätzt wird. Die zweisprachige Schriftstellerin, Dolmetscherin und literarische Übersetzerin Daniela Kocmut hat ihre Jugend in Hermagor verbracht und ihre starke Bindung zu diesem Landstrich lyrisch und mit einem Hauch Ironie dargestellt. Charmant begleitete den Abend die Moderatorin Katharina Springer, die selbst gerade als Biografin forschend tätig und daher in der Gemeinde bekannt ist. Sie fand im Archiv ein Theaterplakat: „Goldteufel – Die Auswanderer nach Amerika“ – ein „romantisch-komisches Gemälde mit Gesang in drei Akten von Karl Elmar, aufgeführt im Jahre 1881 im Theater in Mauthen“. Ein wahrer historischer Schatz, der gerade erst gehoben wurde.