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22. Januar 2026

Schneearmer Winter belastet Wasserversorgung

Der niederschlagsarme Winter macht sich in der Trinkwasserversorgung bemerkbar. Die Stadtgemeinde Spittal rief die Bevölkerung bereits zum Wassersparen auf.

Im Quellgebiet am Gmeineck liegt wenig Schnee. Foto: Stadtgemeinde Spittal/Auer

Spittals Bgm. Gerhard Köfer richtete über die sozialen Medien eine Appell an die Bürger, unnötigen Wasserverbrauch zu vermeiden. Das Ausbleiben von flächendeckenden Niederschlägen habe dazu geführt, dass die Grundwasserstände in ganz Kärnten, aber auch in der Region Oberkärenten, deutlich gesunken sind. Solch eine Wasserknappheit habe es laut Köfer zuletzt vor 30 Jahren gegeben. „Die aktuelle Situation stellt eine zunehmende Belastung für die Trinkwasserversorgung dar. Derzeit liefern die Quellen der Stadtgemeinde Spittal 58 Liter Wasser pro Sekunde, während es im Oktober noch 120 Liter waren“, veranschaulicht Köfer. Die Bevölkerung ersucht er beim Wasserverbrauch besondere Vorsicht walten zu lassen und unnötigen Verbrauch zu meiden. „Wir sorgen rechtzeitig vor und werden alles unternehmen, damit die Wasserknappheit nicht zu einem ernsten Problem wird“, betont der Bürgermeister. Um die Versorgung weiterhin sicherzustellen, werden die Trinkwasserbehälter derzeit vom städtischen Wasserwerk in den Nachtstunden händisch ausgeglichen.

Zwei Drittel des Niederschlags fehlen

„Kärnten und Osttirol erleben heuer einen Winter der Extreme“, sagt Mag. David Kaufmann vom Wetter-Service „Tauernwetter“ in Mallnitz. Bei Nachttemperaturen von bis zu minus 18 Grad fehlen heuer seit Winterbeginn in Oberkärnten rund zwei Drittel des Niederschlags. „Im Raum Spittal und im oberen Drautal ist die Lage noch dramatischer: Hier liegt das Defizit bei 70 bis 80 Prozent. Das Gmeineck als Wasserquelle für Spittal liegt genau in diesem stark betroffenen Gebiet“, verdeutlicht Kaufmann. Als Hauptursache für die Trockenheit identifiziert er einen sogenannten Polarwirbel-Split im Dezember und Jänner, der zwar Kaltluft aber wenig Feuchtigkeit mitbrachte. „Die klassischen Italientiefs, die normalerweise den Winterniederschlag nach Kärnten bringen, blieben weitgehend aus oder zogen zu weit südlich vorbei“, so Kaufmann. Das Niederschlagsdefizit bestehe allerdings nicht erst seit Dezember. Bereits seit Mai 2025 ist Kärnten unterdurchschnittlich feucht. Ein so langanhaltendes Niederschlagsdefizit über so viele Monate sei sehr außergewöhnlich.

Trendwende in Aussicht?

Für einen Wechsel im Wettertrend bestehe laut Kaufmann kurzfristig kaum Hoffnung. Der Schnee durch das Italientief letztes Wochenende sei angesichts des massiven Defizits nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für einen Ausgleich bräuchte es bis zum Frühjahr überdurchschnittliche Niederschläge. „Selbst auf rund 1.800 Meter Seehöhe liegen derzeit kaum mehr als 30 Zentimeter Schnee – normalerweise ist es um diese Jahreszeit mehr als ein Meter, manchmal sogar deutlich mehr. Wenn dieser geringe Schnee im Frühling taut, wird die Quellschüttung zwar kurzfristig etwas zunehmen. Ohne sehr ergiebigen, ausgleichenden Niederschlag bis dahin reicht das aber nicht überall in Kärnten aus, um alle Quellen den gesamten Sommer über ausreichend mit Wasser zu versorgen“, gibt Kaufmann zu bedenken. Trotzdem gebe es laut dem Meteorologen in Kärnten keinen Trend zur Trockenheit:  „Die Trockenperioden nehmen zwar zu, der durchschnittliche Jahresniederschlag ist durch den Klimawandel aber etwa gleichgeblieben, gebietsweise sogar minimal gestiegen.“

 

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