Der aus dem Mölltal stammende Priester Dr. Anton Granig (1901 – 1945) leistete Widerstand gegen den Nationalsozialismus und wurde am 15. 4. 1945 in Stein an der Donau erschossen. Dr. Hemma Unterluggauer (eine Nichte von Dr. A. Granig) und der Priester und frühere Pfarrer Josef Granig (ein Neffe von Dr. A. Granig) haben anlässlich des 80. Todestages eine Gedenkschrift herausgegeben.
Darin heißt es, „sein Zeugnis, sich für Recht, Gerechtigkeit und Menschlichkeit einzusetzen und Widerstand gegen ein gottloses Regime zu leisten, ist aktueller denn je.“ Wenn Dr. Unterluggauer sich immer wieder einmal in der wunderschönen Wachau befindet und die herrliche Landschaft genießt, berührt sie das Wissen um die damaligen Ereignisse: „Ich denke immer an eine Gruppe von Gefangenen, die im April des Jahres 1945 zu Fuß, mangelhaft bekleidet, teilweise ohne Schuhe und, ausgehungert, mit Ketten zu zweit aneinander gekettet, nach langen Haftstrafen von Wien in die heutige Justizvollzugsanstalt Krems/Stein, Steiner Landstraße 4, verlegt wurden. Von Nazi-Schergen bewacht und angetrieben. Einer der Gefangenen war mein Onkel Dr. Anton Granig. Sein Grab und das der anderen 386 Mitgefangenen – damals sinnlos Getöteten – besuche ich dann jedes Mal“.
Mehrere Gnadengesuche
Josef Granig – er war langjähriger Pfarrer von Irschen - zeichnet den Lebensweg seines Onkels nach; Anton war Sohn einer Bergbauernfamilie (vulgo Kilge) in Mitten in der Pfarre Sagritz. Er wurde 1932 zum Priester geweiht, war Kaplan in Spittal, in Obervellach und Wien, promovierte in Graz. In Klagenfurt wurde er Direktor der St. Josefs Bücherbruderschaft, war Konsulent bei den Elisabethinen, dann Administrator der Pfarre Pulst. Er wurde wegen Anti-NS-Bemerkungen angezeigt, observiert und 1943 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat verhaftet“, eingeliefert und von Klagenfurt zum Volksgerichtshof Wien überstellt. Granig wurde das Opfer eines angeklagten jungen Fliegerhorst-Soldaten. Wie Josef Granig schreibt, sei es gelungen, über den Prozess vor dem Volksgerichtshof, der den Tod von drei Priestern und fünf Angeklagten zur Folge hatte, einen eingehenden Bericht zu erhalten. Dort findet sich auch die Schilderung über die illegalen Erschießungen dieser und anderer zum Tode Verurteilten am 15. April 1945. Ein Massenblutbad, von einer Person angeordnet, die offenbar bisher niemals zur Rechenschaft gezogen wurde. Es war genau an jenem Tag, an dem die Rote Armee die 30-km von Stein entfernte Stadt St. Pölten besetzte. Es sind Personen, die dieses Blutbad angeordnet haben, namentlich genannt, jedoch im Sinne von meinem Onkel Toni werde ich auf Namensnennungen verzichten, schreibt sein Neffe. Mehrere Gnadengesuche für Dr. Granig und für die zum Tode Verurteilten waren gestellt worden (u.a. auch von Antons Bruder Georg). Die Schrift enthält Briefwechsel mit der Familie, weiters auch Gedanken von Reinhold Schneider und Dietrich Bonhoeffer und schließt mit mehreren Literaturhinweisen zu Dr. Anton Granig (Mitbegründer der Antifaschistischen Freiheitsbewegung Österreichs) sowie Hinweisen auf historische Beiträge zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Erwähnt werden auch die Dokumentation (aus dem Jahr 1995) zu Dr. Granig „Durch das Gitterfenster“, gestaltet vom Neffen Peter Granig (verst.2020) sowie einzelne Gedenkstätten.
Karl Brunner