Im Lesachtal und im Tiroler Gailtal wurden sechs tote Gänsegeier aufgefunden. Eine veterinärmedizinische Untersuchung hat nun ergeben, dass die Greifvögel mit einem verbotenen Insektizid vergiftet wurden.
Es war bereits im April, als in Untertilliach (Osttirol) und St. Lorenzen im Lesachtal innerhalb kurzer Zeit sieben verendete, bzw. ein stark geschwächte Gänsegeier gefunden wurden, teilte die Vogelschutz-Organisation „Birdlife“ mit. Nur einer davon konnte in der Auffang- und Pflegestation der Burg Landskron aufgepäppelt und wieder freigelassen werden. „Da so viele Tiere auf relativ kleinem Raum betroffen waren und eine natürliche Ursache für so ein Massensterben sehr unplausibel schien, stand der Verdacht der Vergiftung im Raum und wir verständigten umgehend das Landeskriminalamt Kärnten“, erzählt Johannes Hohenegger, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich. Die Kadaver wurden zur veterinärmedizinischen Untersuchungen nach München und Wien geschickt, wobei diese ergeben haben, dass fünf der sieben Gänsegeier an einer Carbofouran-Vergiftung verendet waren. Carbofuran ist ein Nervengift, das bereits in geringsten Dosen für Vögel, Säugetiere und sogar Menschen tödlich wirkt. In der EU ist der Wirkstoff, der lange als Pestizid ausgebracht wurde, seit 2008 verboten, soll aber laut „Bird Life“ aber immer wieder illegal als Köder ausgelegt werden. Der Fall sei auch einer der schwersten bekannten Vergiftungsfälle von Greifvögeln und Geiern der vergangenen Jahre in Österreich.
Schlüsselgebiet für Gänsegeier
Stark kritisiert wird diese Form der Wildtierkriminalität auch vom Nationalpark Hohe Tauern kritisiert, den die Gänsegeier als Übersommerungsgebiet nutzen. Jungvögel und Nichtbrüter aus den Brutgebieten Friauls (Italien) und der nordwestlichen Balkanhalbinsel finden hier ideale Bedingungen: Mit Beginn der Almsaison fliegen die ersten Vögel ein und übernehmen den Sommer über – gemeinsam mit Bart- und Mönchsgeier – die Aufgabe der Entsorgung von Kadavern. Allein in den Hohen Tauern verbringen jährlich 100 bis 120 Gänsegeier den Sommer, die sich von durch Unwetter, Abstürze oder Krankheiten verendeten Wild- und Nutztieren ernähren.