„Veronika“ eine Braunvieh-Kuh aus dem Gailtal verblüffte mit ihren Fähigkeiten nicht nur die Wissenschaft, auch in den Medien erfuhr sie ein enormes Echo. Vom ORF bis zur „Washington Post“ – alle wollten einen Blick auf die „Gailtalerin“ werfen. Wie eine Kuh zum Medienstar wurde...
Ein Medienstar ist die inzwischen wirklich geworden: die 13-jährige Braunvieh-Kuh „Veronika“ auf dem Biobauernhof von Witgar Wiegele aus Nötsch im Gailtal. Ihr Verhalten hat das Interesse der Wissenschaft geweckt und damit auch von Medien aus der ganzen Welt. „Die Washington Post, die New York Times... die Süddeutsche Zeitung haben sich gemeldet. Ein Wahnsinn – so ein globales Interesse an meiner Hexe“, freut sich der Bio-Landwirt aus dem Gailtal in einem ORF Kärnten-Beitrag. Und tatsächlich: Nicht nur Medien aus Übersee, der ORF, TV-Sender aus Deutschland und sämtliche österreichische Tageszeitungen interessierten sich für die „Superkuh“, auch auf Tik Tok, Facebook und Instagram gingen die Beiträge viral. So wurden Videos von „Veronika“ bereits in den ersten Stundne hunderttausende Mal geklickt. Aufgrund ihrer Reichweite ist „Veronika“ nun eine der berühmtesten Kühe der Welt (neben vielleicht der „Milka“-Kuh).
Verhalten sonst nur bei Schimpansen
Seinen Anfang genommen hat der Hype um „Veronika“ mit einem Handy-Video der Nichte Wiegeles, auf dem zu sehen war, wie die Kuh einen Besen ins Maul nahm und sich damit am Rücken kratzte. Dieses Verhalten weckte das Interesse der Wissenschaft: genauer gesagt von Forschern der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Werkzeugnutzung bei Rindern sei etwas ganz Besonderes, ein Verhalten, das sonst nur bei Schimpansen beobachtet wird. Malies Auersperg, Professorin für Mensch-Tier-Beziehung an der VetMed und ihre Kollege Antonio Osuna-Mascaró machten sich sogleich auf den Weg nach Kärnten, um Veronika genauer unter die Lupe zu nehmen. Am Wiegele-Hof in Nötsch angekommen, dachten sich die Forscher, sie müssten lange warten, um das Verhalten von „Veronika“ zu beobachten. Falsch gedacht! „Sobald ein Stock in ihrer Nähe lag, hob sie ihn auf und begann sofort damit, sich zu kratzen, in einer Art und Weise, die uns verblüfft hat“, erinnert sich Osuna-Mascaró.
Keine dumme Kuh...
Nach ihrem ersten Besuch entwickelten die Wissenschaftler ein Experiment, um zu testen, ob „Veronikas“ Kratzverhalten die Kriterien für flexible Werkzeugnutzung erfüllt. In einer Reihe von Durchgängen wurde die Kuh mit einem Besen konfrontiert, der waagrecht auf dem Boden lag. Die Ausrichtung der Borsten – nach links oder rechts – wurde bei jeder Darbietung zufällig verändert. „Veronika“ bevorzugte eindeutig das borstige Ende, wenn sie feste, breite Körperregionen wie ihren Rücken kratzte. Wollte sie jedoch weichere, nachgiebigere Bereiche ihres Unterkörpers erreichen, etwa Euter oder Bauchhaut, wechselte sie zur Stielseite. Wie die Kuh den Gegenstand zur Verlängerung ihres eigenen Körpers einsetzte, verblüffte die Forscher. Die Ergebnisse ihrer kleinen Verhaltensstudie wurden schließlich in der Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht. „Veronikas Verhalten zeigt, wie sehr wir Tiere unterschätzen ... Viele Fähigkeiten bleiben unsichtbar, weil wir sie gar nicht erst erwarten – besonders bei Tieren, die wir vor allem unter dem Aspekt ihrer Nützlichkeit betrachten“, so Auersperg. Sprüche, wie „dumme Kuh“ sollte man sich dann doch noch einmal überlegen, denn „Veronika“ kratze nun tatsächlich an den Vorstellungen von Tierintelligenz. Für den Bauern, der übrigens im Gemeinderat in Nötsch (Grüne) aktiv ist, war das Verhalten seiner „Veronika“ nicht ganz so neu. Bereits vor etwa zehn Jahren beobachtete er, dass „Veronika“ gezielt heruntergefallene Äste aufhob, um sich an schwer erreichbaren Stellen zu kratzen.