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09. April 2026

Hans Müller, Rennweg: „Grönland ist ein Mysterium“

Die Grönlandkrise ist zum großen, leider spannungsgeladenen geopolitischen Thema geworden (ausgelöst durch Gebietsansprüche der USA unter Präsident Donald Trump auf Grönland). Hans Müller aus Rennweg kennt Grönland sehr gut, er ist ein wunderbarer Erzähler. Ihn interessieren Grönland und die Inuit, deren Kultur und Seele der Bewohner, schon seit Jahrzehnten. Von 1983 bis 2024 hat er fast 50-mal Grönland bereist.

Von Karl Brunner

Hans Müller, begeisterter „Wahlgrönländer“, hat viele Geschichten über Inuit geschrieben. Foto: k.brunner

Kaum ein anderer Kärntner wird eine so innige Verbundenheit mit Grönland haben wie Hans Müller. Der Schriftsteller, Dichter, Bergläufer und Sänger Hans Müller (aus Rennweg und Burgstall/Winklern) hat eine besondere Beziehung zu Grönland, zu den Menschen dort, den Eskimos, die nun Inuit genannt werden. Hier nur wenige Andeutungen. Dass die Dänen die besten Arbeitsplätze dort besetzen, liege an ihrer Ausbildung. Doch die jungen Grönländer streben nach größerer Verantwortung und sie seien auch auf dem besten Weg, ihre Zukunft frei gestalten zu können. „Grönland ist ein Mysterium und seine beste Währung ist und bleibt das Lachen seiner Kinder“, sagt Hans Müller. Er ist nicht Grönland-Fan, sondern mehr, nämlich „Wahlgrönländer“, der auch die historisch-politische Entwicklung gut kennt. „Man muss in Fridtjof Nanses Spuren 700 Kilometer von Tasiilaq nach Kangerlussuaq auf Skiern über das Inlandeis gewandert sein, dann konvertiert man erst vom Touristen zum Wahlgrönländer. Aber die Seelen der Inuit werden dir vom Treibschnee verschlüsselt zugeweht bleiben“, so Hans zu einem seiner Erlebnisse, zum „Wintermärchen“ - „Transgrönland 2003“. Viele Grönland-Erlebnisse an verschiedenen Orten und berührende Begegnungen mit Bewohnern (u.a. mit Robert Sigssuk Peary) und Freunden, Einzelschicksale sowie allgemeine Probleme, hat er in mehreren Büchern festgehalten. Müller baute eine Skischule in Tasiilaq auf, organisierte und lieferte Dutzende Skiausrüstungen und über 14 Winter hielt er dort Skikurse ab. Die Geschichte von den Eskimo und von ihm begann 1983 in Ilulissat, wo er mit Hannibal Fencker seinen ersten Jugendbuchpreis „erleben“ durfte. (Mit „Kujanguk fand heim“ gewann Müller 1983 zum zweiten Mal den Kärntner Förderungspreis für Jugendliteratur (insgesamt hat er diesen dreimal gewonnen, mit „Tschiko“, „Kujangnak fand heim“ und „Yeti“).

Bei den Polareskimo

1985 folgte der Sommer in Thule, in Siorapaluk, dem nördlichsten Dorf der Erde bei den Polareskimo. Um das Ticket/Visum nach Thule musste er lange intensiv kämpfen, bis es ihm endlich ermöglicht wurde, doch nach Thule zu kommen. Viermal ist es ihm gelungen, einen kleinen Stamm von Eskimokindern mit Begleitern für zwei Wochen auf den Burgstall bei Winklern und nach Rennweg am Katschberg zu bringen. Im Sommer 1983 lebte Müller einen Monat an der Westküste im Norden Grönlands und lernte das Leben der Eskimo kennen. „Kujanguak“ verkörpert die Seele eines Eskimo. Er schrieb das Buch auch in Dankbarkeit für die Gastfreundschaft, die er nirgendwo so lebendig erleben durfte wie im Norden Grönlands. „Grönland wird nie aussterben, solange es dort oben einen Mann und eine Frau von der Stärke Usukutaqs gibt“, liest man eingangs. Dieser Usukutaq wurde eine Legende (eine herzzerreißende Geschichte, wie er seinem Stamm Rettung bringen wollte). Die Fortsetzung von „Kujanguak fand heim“ war das Buch „Polareskimo. Herzschlag im Eis“ (1990). Kujanguak aus Ilulissat (Nordwest-Grönland) wurde zum Studium nach Kopenhagen geschickt. Das Heimweh dort ertrug er nicht länger. Um seine Seele zu bewahren entschied er sich sich für das Leben eines Jägers. Er musste zu seinen Wurzeln zurückfinden. Das Mädchen Amaunalik fühlte ebenso und folgte ihm nach Siorapaluk ins nördlichste Dorf der Welt. Müller hat beide besucht, die Wunder der arktischen Landschaft bestaunt, bei und mit den Polareskimo gelebt. Ein weiteres Buch mit Geschichten aus Grönland, über seine Bekannten und Freunde dort, lautet „Glücksspiel der Trauer. Tasiilaq 2017“ (erschienen 2019). „Eisberge. Während sie schliefen, kam Gott zu Besuch und hinterließ als Visitenkarte sein Lächeln“, notierte Hans Müller. Der ungemein vielseitige „Poet vom Burgstall“ und „Polarlichtlyriker“, wie er sich selbst einmal nennt, schildert mit viel Einfühlung, Wissen und Nachdenklichkeit seine zahlreichen Grönland-Erlebnisse und Grönland-Erfahrungen.

 

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