Die B 100-Umfahrung war Thema des „Radio Kärnten“-Stammtisches „Ein Ort am Wort“ in Greifenburg. Straßenbauer- bzw. Befürworter und von Enteignung betroffene Grundbesitzer und Kritiker der geplanten Variante lieferten sich hitzige Wortgefechte – und zeigten, dass die Vorstellungen doch ziemlich auseinander liegen.
Gesteckt voll war das See Café in Greifenburg letzten Monat und die Spannung im Raum war deutlich spürbar: Es ging um ein Thema, das den Ort mit der B 100 mittedrin bereits seit mehreren Jahrzehnten beschäftigt: die seit langer Zeit versprochene und bereits öfter hinausgeschobene Umsetzung der Umfahrung Greifenburg. Geladen waren Grundbesitzer, die für die Straßen-Trasse Grund abtreten müssen, wie z. B. der Unternehmer Alois Stolzlechner, durch dessen Garten die aktuell geplante Umfahrungs-Variante führen soll. Verkehrsplaner Dr. Günther Emberger wurde für die Bürgerinitiative „Lebenswertes Oberes Drautal“ ins „Feld“ geschickt. Auf der anderen Seite diskutierten Straßenbaureferent LH-Stv. Martin Gruber, Abteilungsleiter DI Volker Bidmon und Greifenburgs Bürgermeister Sepp Brandner. Unter den Zuschauern war die Kärntner Grünen-Chefin Olga Voglauer oder der ehemalige Arzt in Greifenburg, Dr. Peter Unterkreuter sowie einige Drautaler Unternehmer, wie der Chef der Haßlacher Holzindustrie, Christoph Kuluterer und Senior Chef, Herbert Kulterer oder der Europlast-Betriebsführer Mag. Georg Schnaubelt.
Geladene Stimmung
Das Land hat vor wenigen Jahren eine bahnparallele Umfahrungs-Trasse präsentiert, der Baustart hätte bereits vor eineinhalb Jahren erfolgen können, erklärte Straßenbaureferent Gruber. Hinausgezögert hat diesen der Einspruch einer lokalen Bürgerinitiative. Nun ist das Land dabei, mit den Grundbesitzern zu verhandeln. Aber von den 62 betroffenen Grundbesitzern, lehnen es 28 ab, ihren Grund für den Bau der Umfahrung herzugeben. Ihnen drohen nun Enteignungsverfahren. Lagerstimmung im See Café: Die Befürworter der bahnparallelen Umfahrung und deren Kritiker. Zu ersteren zählt auch Bgm. Sepp Brandner: „Wir haben hier die Volksschule, Kindergarten … Für die Leute ist es ein Spießroutenlauf, jeden Tag“, weist er mit Nachdruck auf die für die meisten Greifenburger untragbare Situation hin. Zu den lautesten Kritikern der geplanten Trasse gehört die Bürgerinitiative „Lebenswertes Oberes Drautal“ mit Sprecher Michael Dünhofen, der in zweiter Reihe saß: „Warum kann man für dieses Jahrhundertprojekt keine gescheite Lösung finden? Ausbaupläne, die aktuell vorliegen, seien „das billigste und schädlichste Projekt“. Verkehrsplaner Günter Emberger stößt sich vor allem am „feudalen Kreisverkehr“, der zwischen Drautal Straße und Weißensee Straße entstehen soll. Der Ausbau werde „viele Ressourcen verbrauchen und den Transit anziehen“. Dem wiedersprechen regionale Unternehmer, wie Hasslacher Senior-Chef Herbert Kulterer: „Wir müssen den Wohlstand im Drautal erhalten, dazu brauchen wir eine leistungsfähige Infrastruktur“. Transit sei für den ehemaligen Unternehmer kein Thema: „Es geht hier um Quell- und Zielverkehr“.
Verschiedene Zugänge
Immer wieder im Gespräch aufgetaucht ist eine vor über 20 Jahren geplante Umfahrungsvariante mittels Unterflurtrasse, die an ein Ortsentwicklungskonzept angelehnt war, aber vom Land verworfen wurde. Frust baut sich auf beiden Seiten auf: Stattdessen komm „diese schiache Straße, und dann noch die 380 kV-Leitung. Was bleibt dann noch übrig für unsere Kinder“, sagt Einwohnerin Edda Unterkreuter. Für Herrn Hasslacher aus Greifenburg, sei die geplante bahnparallele eine „Ökologische Lösung“: „Die Lkw gleiten bald bahnparallel dahin und erzeugen so weniger Abgase, die jetzt die Leute schlucken müssen“. Die eine Hälfte der Grundbesitzer fühlt sich überfahren: „I fahr dir über die Zehn drüber und halt dein Mundwerk“, beschreibt Alois Stolzlechner seine Erfahrungen mit den Straßenplanern. Was die Pläne angeht, werde man sich an den Straßenrechtsbescheid halten müssen, sagte Abteilungsleiter Volker Bidmon. Nur „geringfügig“ sei dieser zu ändern und die Straße besitze auch nur einen „normalen Charakter, nicht irgendetwas Schellstraßen-Ähnliches“. Solange es nicht gebaut ist, könne man immer noch besser planen, wandte Verkehrsplaner Günter Emberger ein. Was schließlich den Baustart betrifft, verwies LH-Stv. Gruber auf Ende 2027/Anfang 2028, Einsprüche gelte es abzuwarten, dann wird mit den Ausschreibungen begonnen. Nachzusehen ist die Diskussion auf ORF ON.