Sie ist typischerweise gekennzeichnet
durch Anhäufung zahlreicher Zapfen an
den Ästen oder am Wipfel von Nadelhöl-
zern, vor allem der Föhre, hier kennt man
Ansammlungen bis zu 250 Stück. Hierher
zählt auch eine Mitteilung im Osttiroler
Boten vom 18. Feber 1988 (Kofler 1988)
mit einem Beispiel aus Kartitsch. – Die
auslösende Ursache dieser Mißbildung ist
unbekannt. Die wahrscheinlichste Theorie
bezieht sich auf den Austausch von Erb-
anlagen zwischen den männlichen und
weiblichen Blütenständen, denn die Zap-
fensucht ist interessanterweise erblich. Die
volkstümliche Bezeichnung „Hexenbesen“
oder „Donnerbüsche“ ist ungenau, ethno-
logisch vielleicht deutbar. Aber einige von
vielen Beispielen seien kurz angeführt:
Tannen-Hexenbesen
sind offenbar
nicht selten; zumindest schreibt das der be-
kannte Botaniker Prof. Dr. H. Gams am
13. Dezember 1960 in einem Brief. Ich
hatte ihm nach einem Herbstwandertag
vom Kreithof bei Tristach eine Mißbil-
dung geschickt und er führte aus: „Die mir
geschickte Tannenmißbildung ist ein von
der Aecidiengeneration („Aecidium elati-
num“) des Rostpilzes Melampsorella
caryophyllacearum erzeugter Hexenbesen,
wie solche auch in den nördlichen Kalk-
alpen, z. B. im Halltal, nicht selten und oft
viel größer sind.“ Damit wäre auch der zu
erwartende Rostpilz indirekt nachgewie-
sen, der bei POELT 1985:50 noch fehlt.
Auch MIGULA 1917:124 gibt zum Befall
Wirte (Abies pectinata, Tannenkrebs und
Hexenbesen der Weißtanne hervorrufend)
und Zwischenwirte (verschiedene Gattun-
gen von Nelkengewächsen: siehe Art-
name) bekannt.
Berberitzen-Hexenbesen
wurden oft-
mals in ganz Osttirol beobachtet. Sie sind
sehr unterschiedlich groß und meist an den
unteren Bereichen der Sträucher zu finden:
Enge Verwachsungen der Sprosse, wirre
und ungeregelte Verzweigungen, eben he-
xenbesenartig deformierte Nebenzweige,
an deren Blättern massenhaft gelbe Spo-
renlager zu sehen sind. Verursacher ist der
Rostpilz Puccinia arrhenateri (BUHR
1964, POELT 1985:72 für Osttirol auch
nicht angegeben; MIGULA 1917: Zwi-
schenwirt am Glatt-Hafer Arrhenatherum
elatius, einem bei uns weit verbreiteten
Süßgras). Wirt und Zwischenwirt bevor-
zugen eher trockene, sonnige, naturbelas-
sene Hänge, Raine und Feldfluren, daher
war das besonders häufige Auftreten die-
ser Besen in der inneralpinen Hecken-
landschaft zwischen Virgen und Mitteldorf
nicht überraschend. (Der Rostpilz P.
arrhenateri darf nicht verwechselt werden
mit dem Getreide-Rost Puccinia graminis-
Formenkreis, der ebenfalls die Berberitze
befällt, aber auch verschiedene Gräser und
Getreidesorten; daher wurden früher die
Berberitzensträucher aus der Nähe von
Getreidefeldern entfernt).
Der Hainbuchen-Hexenbesen
ist
ebenso wie solche an Rotbuche, Linde und
Robinie, seltener auf Ahorn, auch bei uns
zu erwarten, das Auffinden bedarf einer
sehr gezielten Suche. Wie ein solcher Be-
sen aussehen müßte, zeigt die Abb. 2, auf-
genommen 1993 in Kopenhagen an der
Promenade in nächster Nähe der berühm-
ten „Kleinen Meerjungfrau“, die mich we-
gen der Kleinheit weniger beeindruckte.
Lärchen-Hexenbesen
sind im Alpen-
raum offenbar recht selten. Vor einigen
Jahren trug ein Baum in der Nähe des
Bahnhofes Thal an einem Seitenast einen
recht schönen, auffallenden „Buschen“.
Nach Bekanntgabe verschwand er. Die
Abb. 1, zeigt einen sehr auffallenden,
schönen Wipfelbesen, fotografiert 1993
auf der Häusler Alm bei Mallnitz. Im
Maltatal wurde an einer sehr alten Lärche
ein riesiger Hexenbesen 1993 an der
Waldgrenze entdeckt, (mdl. Mitt. Hr.
A. Egger, Vogelsberg). Der Baum soll
unter Naturschutz gestellt werden.
Föhren-Hexenbesen
sollen nach Anga-
ben der Fachliteratur am häufigsten sein.
Nach Umfrage konnte ich mit Hr. J. The-
meßl, Tristach, eine Form dokumentieren,
die am Drauufer auf einem Seitenast ganz
unten ausladend hing. Vielen Dank für die
Vermittlung. Das Foto (Abb. 3) und eine
begegebene Musterzeichnung (Abb. 4,
nach BUTIN 1985, BUTIN & ZYCHA
1973) ergeben große Ähnlichkeit.
Birken-Hexenbesen
wurden öfters be-
obachtet, aber nie abgebildet. Meistens
sind sie auch nicht auffallend, das Som-
merlaub verdeckt sie. Wie bei den anderen
Arten ist auch hier die „morphogenetische
Umstimmung“ des befallenen Wirtes
durch den Erreger Taphrina betulina
O s t t i r o l e r H e i ma t b l ä t t e r
62. Jahrgang — Nummer 9/10
Abb. 3: Föhren-Hexenbesen am rechten
Drauufer in Tristach, 1993.
Abb. 5: Pflanzengalle an Grauerle, verur-
sacht durch den Schlauchpilz Taphrina
amentorum (Fruchtstände), nach BUHR
1965 Taf. 2, Nr. 35.
Abb. 2: Beispiel für Hainbuchen-Hexenbesen, Strandpromenade in Kopenhagen
(Dänemark), 1993.